Ausflug zum Amtsgericht

Am 03.06.19 haben wir, die Klasse AVHW 18a mit unseren Lehrer*innen Frau Oltrogge und Frau Werner einen Ausflug zum Amtsgericht in Kiel gemacht. Im Unterricht hatten wir das Thema Kriminalität, daher wollten wir uns gerne eine Gerichtsverhandlung anschauen.
So machten wir uns Montag morgens um 8:00 Uhr (!) zu Fuß (!) auf den Weg zum Gericht.  Beim Gericht angekommen, mussten wir durch eine Sicherheitsschleuse; bei allen hat es gepiept, und die Taschen mussten kontrolliert werden. Wir gingen zu Saal 3 und mussten dort warten, bis "alle Beteiligten" aufgerufen wurden. Von unseren Lehrerinnen hatten wir vorher gehört, dass man im Gerichtssaal wirklich überhaupt nicht stören darf. So waren wir gespannt, was passieren würde.
Als wir den Gerichtssaal betraten, waren die Richterin, der Staatsanwalt und die Protokollantin schon da. Dann wurde der Angeklagte herein gerufen. Er hatte keinen Verteidiger an seiner Seite.
Die Richterin eröffnete das Verfahren. Der Angeklagte wurde zu Angaben über seine Person vernommen. Dann verlas der Staatsanwalt die Anklageschrift:
Der Angeklagte wurde beschuldigt, dass er eine Frau körperlich misshandelt und in ihrer Gesundheit gefährdet hätte. Das Delikt, um das es ging, war also Körperverletzung.
Die Richterin fragte den Angeklagten, ob er aussagen möchte oder ob er von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch machen wollte. Er wollte aussagen.
Er sagte unter anderem, er hätte seine geschiedene Frau nicht geschlagen bzw. getreten. Sie würde zu Übertreibungen neigen. Die Nachbarn, die die Polizei benachrichtigt hatten, wären voreingenommen. Er hätte nur mit der Frau "rumgealbert".
So, nun kommt eigentlich die Beweisaufnahme, unter anderem werden in diesem Schritt einer Hauptverhandlung auch Zeugen vernommen. Geladen war die Frau, die angegeben hatte, sie wäre geschlagen worden. Aber - wer war nicht da - die Zeugin... Langweilig!
Der Angeklagte gab an, er hätte sie gerade angerufen, sie sei in der Nähe und käme sicherlich gleich. Sie kam aber nicht.
So gab es am Schluss von der Richterin auch kein Urteil, sondern einen Beschluss: Das Verfahren wurde auf Kosten des Staates eingestellt.
Wir waren ja der Meinung, dass der Angeklagte seine Ex-Frau bestimmt eingeschüchtert hat. Außerdem glaubten wir ihm nicht, wir fanden es ungerecht, dass er einfach so davon gekommen ist!

Diese ganze Verhandlung hat gerade mal 20 Minuten gedauert! Keine Zeugin, kein Urteil - wir waren echt enttäuscht. Wir fragten unsere Lehrer*innen, ob wir uns noch eine Verhandlung ansehen dürften. Und tatsächlich tat sich im Saal 4 gegenüber etwas. Zwei Polizisten trugen eine durchsichtige Kiste mit einem Springmesser in den Saal! Wir schauten auf den Plan, die Verhandlung sollte in 10 Minuten beginnen. Wir fragten die Polizisten, ob wir zusehen dürften. Sie fragten bei der Richterin nach, alle waren einverstanden! Dann: Der Aufruf. Auch hier waren die Richterin da, dann noch ein Staatsanwalt, dieses Mal auch ein Verteidiger, eine Protokollantin, eine Frau von der Jugendgerichtshilfe vom Jugendamt. Die Richterin rief die drei Angeklagten auf. ES KAM KEINER! Die Richterin meinte, eine Viertelstunde müssten sie noch warten; sie würde uns aber keine großen Hoffnungen machen. In der Zeit durften wir Fragen stellen. So erfuhren wir, dass es auch hier um Körperverletzung ging und dass das Springmesser eine Tatwaffe war. Wir erfuhren auch, dass einer der Angeklagten schon einmal nicht zum Gericht erschienen war, er deshalb an dem Morgen von der Polizei abgeholt werden sollte, aber nicht aufgefunden worden war. Ihm sollte nun ein Haftbefehl drohen. Die anderen beiden sollten beim nächsten Gerichtstermin auch morgens um 6 Uhr von der Polizei abgeholt werden, um sicherzustellen, dass sie den Termin auch wahrnehmen. Wir erfuhren auch, dass diese Verhandlung eine ohne Schöffen sei - Schöffen würden eher bei noch schwereren Delikten hinzugezogen.
Was sollen wir sagen: Die Angeklagten kamen auch nach einer Viertelstunde nicht. Die Richterin und der Staatsanwalt murmelten, sie würden demnächst am besten keine Verhandlungen mehr auf einen Montag legen.

Wir gingen also zurück zur Schule, ohne eine vollständige Verhandlung gesehen zu haben! Enttäuschend!

Zurück