Immer die gleichen vier Wände – Corona-Eindrücke

Das habe ich als Schülerin des Regionalen Berufsbildungszentrum der Landeshauptstadt Kiel Fachrichtung Sozialpädagogik spüren müssen. Aber was stärkt und hilft in dieser Zeit wirklich? Ich habe einige Erfahrungen diesbezüglich gesammelt und möchte euch gerne daran teilhaben lassen.

 

Der ständige Blick auf das Handy, ob sich die Fallzahlen verändert haben und wie hoch schon die Todesrate ist. Die Frage, ob es neue Informationen zum Virus gibt und wie wir uns am besten zu verhalten haben. Diese Gedanken begleiteten mich zu Anfang der Krise.

Ich wollte auf keinen Fall neue Informationen verpassen, die jedoch immer mit einer inneren Anspannung verbunden waren. Denn es handelte sich schließlich um eine Flut an beängstigenden Nachrichten!

Doch dieser ständige Informationsdurst war überhaupt nicht förderlich für mich, da sich dadurch meine innere Unruhe erhöht hat. Mein Alltag war bestimmt von Negativnachrichten.

Wenn man dann in seiner Wohnung eingesperrt ist und nur zum Einkaufen oder Sport nach draußen kann, dann wird daraus schnell eine explosive Mischung.

Also habe ich mir vorgenommen, nur noch einmal pro Tag die Nachrichten zu verfolgen, denn in dieser Zeit geht es schließlich auch nicht ganz ohne.

Aber mir hat eine feste „Nachrichtenzeit“ am Tag geholfen, auch mal an  schöne Dinge denken zu können und nicht den gesamten Tag bestimmt zu sein von Corona-Nachrichten.

 

Damit kommen wir auch schon zum zweiten Punkt. Gestaltet euch eine Tagesstruktur.

Wie schön war es in der ersten Zeit auszuschlafen, lange zu frühstücken und in den Tag zu leben, ein paar gute Folgen auf Netflix zu gucken und vielleicht noch einkaufen zu gehen. Ein Traum für den einen, Horror für den anderen. Denn ohne Struktur kann einem das Leben schnell über den Kopf wachsen.

Nichts zu tun zu haben, ist auf Dauer anstrengender, als ich zu Anfang gedacht habe und erfüllte mich nicht. Abends ging ich dann mit dem Gedanken ins Bett „Was hast du heute eigentlich gemacht? Was hat dir der Tag gebracht?“. Sehr frustrierend, diese Fragen mit einem „Nichts!“ zu beantworten.

Die ersten zwei Wochen hatten wir Schüler noch Homeschool, wodurch ein paar Aufgaben erledigt werden konnten. Aber zu Beginn der Ferien fielen auch diese weg. Also fing ich an, mir eine eigene Tagesstruktur zu schaffen. Natürlich habe ich immer noch lange geschlafen, da Schlafen eines meiner Lieblingshobbys ist und ich mir diesen Luxus in meinen Ferien nicht entgehen lassen wollte. Aber ich habe mir den Tag über Aufgaben gegeben, die ich mithilfe einer To-Do-Liste abhaken konnte.

Es handelte sich um Aufgaben, wie etwa den Frühjahresputz zu machen, das erste Schuljahr zu wiederholen oder endlich mal meinen Kleiderschrank auszumisten. Wichtig war es mir dabei, auch eine feste Zeit zu haben, von wann bis wann ich daran arbeiten wollte und bis wann es erledigt sein musste.

Anhand der To-Do-Liste konnte ich mich dann selber kontrollieren. So entwickelte sich nach und nach ein Tagesplan mit einer „Arbeitszeit“ und einer „Freizeit“ und ich sage euch, die „Freizeit“ kommt dann viel mehr zur Geltung! Ich fing an, mich auf meinen „Feierabend“ zu freuen. Ein Feierabendspaziergang in der Sonne oder eine ausgiebige Fahrradtour hatten eine ganz andere Wirkung auf mich. Auch abends Netflix zu gucken, hatte den negativen Charakter verloren.

Ich war zufriedener mit mir. Schließlich hatte ich den Tag über gearbeitet und konnte mich nun dafür belohnen.

 

Freut euch auch über kleine Dinge. Natürlich ärgert man sich darüber, wenn man nicht in den geplanten Urlaub fahren kann, die Festivals, auf die man hin gefiebert hatte, abgesagt werden oder große Familienfeiern wie der 30. Geburtstag von deinem Freund oder die Hochzeit in Venedig von deiner Schwester nicht stattfinden können. Aber mal ganz ehrlich: Wir können alle froh sein, wenn wir und unsere Familie gesund aus der Situation herauskommen. Wenn man sich die Situationen vieler anderer Ländern anschaut, dann haben wir doch echt Glück gehabt. Da denke ich, ist es doch wichtig, dass wir Verständnis für die Einschränkungen entwickeln und lernen, uns zurückzunehmen. 

Auch mit der derzeitigen Situation kann man viel Spaß haben und unvergessliche Momente genießen.

Die Festivals sind zwar abgesagt, jedoch veröffentlichen Künstler momentan des öfteren kleine Livestreams. Wer will, kann auch zuhause im Wohnzimmer feiern und Spaß haben. Das anschließende Austauschen von Partyfotos mit Freunden ist ein echtes Highlight.

Auch ein Urlaub auf Balkonien, der Terasse oder im Wohnzimmer mit weit geöffneten Fenstern ist bei der Sonne sehr erholsam. Wenn man dann die Augen schließt und vielleicht noch einen leckeres Getränk in der Hand hat, kommt es einem fast so vor, als wäre man gerade im Urlaub. Ich meine, wann hat man sich sonst so bewusst auch zuhause wohlgefühlt?

Ich muss gestehen, ich habe seit kurzem mit Achtsamkeitsübungen angefangen und dadurch eine Menge über mich gelernt. Vor allem die kleinen Momente, in denen man sich nur mit sich selber beschäftigt, können einem helfen, dem ganzen Corona-Stress zu entfliehen. Probiert es doch einfach mal aus und teilt eure Erfahrungen mit euren Freunden oder der Familie.

 

Damit kommen wir auch schon zu meinem letzten Punkt. Haltet unbedingt eure Kontakte aufrecht! Nur weil wir uns voneinander körperlich und räumlich distanzieren müssen, heißt es lange noch nicht, dass wir uns komplett isolieren. Die Corona-Krise bietet uns die Möglichkeit, auch mal ganz anders in Kontakt zu treten.

Es muss nicht immer nur telefoniert oder gechattet werden. Ich habe zum Beispiel angefangen, Briefe und kleine Päckchen zu verschicken mit gemeinsamen Fotos und einer netten Nachricht dazu. Aber der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Verabredet euch doch mal zu einem Video-Chat-Dinner mit Freunden. Vielleicht vereinbart ihr vorab ein Gericht und esst es dann zusammen. Oder ihr lasst eure alten Kontakte einfach mal neu aufleben.

 

Auf diesem Wege wünsche ich euch alles Gute! Eure Jessica Klose, FS18f

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