Hinter den Kulissen im Opernhaus

Hast du dich jemals mit der Frage beschäftigt, was und wer alles hinter einem Theaterstück, einem Ballett oder einer Oper steckt? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen und haben das Opernhaus in Kiel besucht.

Prolog: Gespannt warten wir am Donnerstagabend um 18:15 Uhr auf die Theaterpädagogin Marie Coring am Bühneneingang, welcher auch „die Pforte“ genannt wird.

Akt I: Nach einer kurzen Begrüßung geht es schon los. Im Foyer legen wir unsere Jacken ab und machen uns auf den Weg in den Zuschauersitzbereich. Platz nehmen wir in der ersten Reihe des Parketts. Von dort hat man den perfekten Blick in den Orchestergraben und auf die Bühne. Das Opernhaus ist mit über 700 Plätzen und drei Rängen ein mittelgroßes Theaterhaus. Während Marie über die Grunddaten des Opernhauses berichtet, trudeln die ersten Orchestermitglieder ein und beginnen sich einzuspielen.

Ein Mann ruft etwas Unverständliches zu Marie. Das war das Zeichen, dass die Proben noch nicht begonnen haben und wir uns die Bühne hinter den Kulissen anschauen dürfen.

Akt II: Wir schieben uns durch eine enge Tür und tauchen ab in eine neue und eigene Welt. Wir sehen Vorhänge und meterhohe schwarze Schiebewände, die sich hintereinander aufreihen. Dort werden später die Kulissen angebaut. Wir sehen ein Technikpult, welches uns als der wichtigste Platz während einer Vorstellung beschrieben wird.

Akt III: Auf dem Weg in die Maske begegnen uns Requisiten vom diesjährigen Weihnachtsmärchen „Der Zauberer von Oz“. Wir treten in den kleinen und dennoch charmanten Raum der MaskenbildnerInnen ein. Hier hat jede/r KünstlerIn seinen/ihren eigenen Platz, um die DarstellerInnen herzurichten. Staunend betrachten wir die unzähligen selbsthergestellten Perücken, die auf maßgeschneiderten Holzköpfen ruhen. Die Perücken bestehen meist aus Echthaaren und sind in mühsamer Handarbeit zu einem Meisterstück hergestellt worden.

Akt IV: Wir stehen in einem 3 Meter breiten und 7 Meter langen Aufzug. Normalerweise werden hier riesige Requisiten von der Holzschreinerei zur Bühne transportiert, aber heute sind wir die Passagiere.

Akt V: Sobald sich die Türen des Aufzuges öffnen, ist unverkennbar wahrzunehmen, wo wir uns befinden. Der Duft von frisch geschliffenem Holz liegt in der Luft. Um uns herum türmt sich die Farbe beige in Form von Holzplatten und Holzrequisiten. Wir treten durch eine Metalltür in einen weiteren großen Raum. Auch hier bräuchten wir nur unsere Nase, um zu erfahren, wo wir uns befinden. Um uns herum hängen und stehen Kunstwerke, als wären wir in ein Kunstmuseum teleportiert worden. Hier bekommen Requisiten und Kulissen ihren Anstrich. So wird aus einem einfachen Bett ein Bett aus dem Mittelalter. Gemalt wird hier immer horizontal, dabei sind die Vorlagen für die MalerInnen nie größer als ein DinA5-Blatt, egal wie groß das Ergebnis sein soll.

Marie berichtet stolz von dem Mitwirken am „Boys&Girls Day“ (Ein Tag an dem Jungen in „Frauenberufen“ und Mädchen in „Männerberufen“ arbeiten). Am letzten „Boys&Girlsday“ haben die Jungen hier Bühnen aus Schuhkartons gebaut und waren hellauf begeistert.

Akt VI: Unsere Erkundung neigt sich dem Ende zu. Bevor sich die Türen des nächsten Raumes öffnen, leitet Marie mit den Worten: „Ihr dürft alles anfassen, aber nichts vom Bügel nehmen, denn auch wenn es hier nicht so aussieht, es gibt hier eine Ordnung“ ein. Und prompt stehen wir in meterhohen Bergen aus Kleidung und Accessoires. Wir befinden uns in einem der Herzstücke des Hauses, dem Kostümlager. Der Flair eines vollgestopften Secondhandshops macht sich breit. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt, und noch mehr.

Akt VII: Jetzt heißt es „Vorhang auf“. Wir dürfen exklusiv, noch vor der Premiere des Ballettstückes „Eugen Onegin“, 15 Minuten den KünstelerInnen bei der Probe zusehen und dabei den Klängen des Orchesters lauschen. Wir nehmen im ersten Rang Platz. Der Dirigent gibt den Ton an und schon tauchen wir in die romantische Liebesgeschichte von „Eugen und Tatjana“ ab. Umherblickend schaut man in verzauberte und träumerische Gesichter der FS17ta. Mehr wollen wir auch gar nicht dazu sagen, aber seht es euch ab dem 2.11.19 selbst im Opernhaus Kiel an.

Akt VIII: Unser Abend neigt sich dem Ende zu. Wir sitzen im Foyer, baff von den Eindrücken, und blicken auf eine Bilderwand mit Gesichtern. Hier sieht man DarstellerInnen und Regisseure des Opernhausensembles. Im Ballett gibt es die Besonderheit, dass jede/r DarstellerIn die Chance auf die Hauptrollen bekommt. Wir schließen den Abend mit einer Fragerunde an die Theaterpädagogin Marie Coring. Sie erzählt von dem umfassenden theaterpädagogischen Angebot für Kinder, Jugendliche, StudentInnen und Lehrende. Sie selbst leitet einen Jugend- und Studententheaterclub. Des Weiteren gibt es Angebote von Schulprojekten, Führungen, theaterpädagogischen Nachbereitungen des Gesehenen, und, und. Es lohnt sich einen Blick auf die Internetseite zu werfen. (https://www.theater-kiel.de)

Epilog: Das Leben & Arbeiten im Theater ist wie eine eigene Welt, die einem von außen nicht sichtbar wird. Dennoch wurde uns ein Einblick ermöglicht, der uns eindeutig nachdrücklich gefesselt und geprägt hat. Theater ist eine der schönsten und eindrucksvollsten Kunstformen und sollte nicht in Bedeutungslosigkeit geraten. Für Schüler und Schülerinnen gibt es Ermäßigungen und man kann schon ab 7 Euro eine Karte erwerben. Also los geht’s!

Pauline Fries & Theresa Jensen

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