Unser Flug über das Kuckucksnest- ein Vormittag in der Psychiatrie Rickling

Überraschenderweise änderte sich die Stimmung gleich bei der Ankunft auf dem Gelände. Durch eine einladende Architektur, eingebettet in eine weitläufige parkähnliche Anlage, fühlten wir uns beinahe an einen Kurort erinnert. Ziel unserer Reise war die Interkulturelle Station. Diese ist ein einzigartiges Projekt in Deutschland, welches sich darauf spezialisiert hat, ausschließlich türkische, arabische und kurdische Patienten zu behandeln. Dort arbeitet nur bi- bzw. trilinguales Personal, um in erster Linie durch die jeweilige Muttersprache und damit durch einen verbindenden kulturellen Rahmen bessere Heilungsbedingungen zu schaffen. Emotionen wie Sorgen, Ängste oder Zweifel können in der Muttersprache viel besser artikuliert werden und fördern eine individuelle Therapie in höchstem Maße. Die Klienten reisen in vielen Fällen von weither an, um ihre psychischen Störungen/Krankheiten wie beispielsweise Depressionen, Traumata, Schizophrenie uvm. dort behandeln zu lassen. Die Station kann sich vor Anfragen kaum retten. Zur Zeit beherbergt sie 24 Patienten und schafft dabei auch genügend Raum für Angehörige und Besucher. Im Umgang und Austausch miteinander sind für alle Politik und Religion Tabuthemen, auf diese Weise wird der Hausfrieden gewahrt und ein harmonisches Miteinander unterstützt.

Das Kurgefühl kommt dabei nicht von ungefähr und ist ein Bestandteil des Konzeptes. In einer anregenden, ästhetischen Umgebung ist eine Genesung viel wahrscheinlicher. Der Erfolg der Station spricht dabei für sich.

Zur Therapie gehört auch ein großes kreatives Angebot, das wir uns in dem Kunstatelier angesehen haben. In einer hellen großen Halle mit einer großzügigen Dachkuppel wurden wir von einer netten Mitarbeiterin des Ateliers in Empfang genommen. Diese führte uns dann durch die Räume der scheinbar endlosen Kreativität. Bei der Führung haben wir mit dem Maler-Atelier begonnen, welches während unserer Anwesenheit von vielen Patientinnen und Patienten genutzt wurde. Die Patientinnen und Patienten haben sogar die Möglichkeit, ihre Kunstwerke nach der Fertigstellung zu verkaufen.

Anschließend ging es weiter mit der Töpferei. Dort haben wir nicht schlecht gestaunt, als die Mitarbeiterin uns eine Kollektion von getöpferten Autos und anderen Dingen gezeigt hat, die von einem blinden Mann gefertigt worden sind. Dann ging es nach nebenan in die Holzwerkstatt. Hier konnten wir nicht nur Holzwerke aus bereits verarbeitetem Holz bestaunen, sondern auch Werke, die aus Baumwurzeln herausgearbeitet wurden. Zu einem der Werke gehört zum Beispiel auch „Der Froschkönig“, in welchem ein Frosch mit einer Krone auf dem Kopf, einer Kugel in der Hand und lang ausgestreckten Beinen dasitzt. Außerdem finden dort auch Restaurierungsarbeiten z.B. eines veralteten Schreibtisches statt. Nach der Führung fanden wir uns wieder in der großen hellen Halle zusammen und konnten noch ein wenig die Kunstwerke an den Wänden und auf den Tischen bestaunen.

Der Besuch im Psychiatrischen Zentrum Rickling hat bei uns allen einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen. Wir bedanken uns herzlich bei der Einrichtung, dass wir so freundlich und offen empfangen wurden und wir so einen guten Einblick in die Arbeit gewinnen durften. Vielen Dank auch an unsere Lehrerin Birgit Taupitz für die Organisation dieses erlebnisreichen Tages.

Wenke Winkelmann

Catja Warnholz

Dr. Susanna Swoboda  

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