"Back to the roots": Bundestagsabgeordneter Sönke Rix, ehemaliger Schüler der Fachschule für Sozialpädagogik, tagt mit Fachgruppe am Königsweg

Nord-SPD will Kitas vollständig aus Steuermitteln finanzieren

Kiel. Schleswig-Holsteins SPD-Chefin Serpil Midyatli hat gefordert, die Kita-Erziehung vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren. Die öffentliche Hand solle nicht nur die Beitragsfreiheit für Eltern ermöglichen, sondern auch eine Ausbildungsvergütung gewährleisten.

Gestern trafen sich Mitglieder der SPD-Landesgruppe im Bundestag und Vertreter der Nord-SPD am Regionalen Bildungszentrum (RBZ) am Königsweg in Kiel zum Fachgespräch. Dort machen derzeit 200 Männer und Frauen eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten, 450 eine weitreichendere Ausbildung zum Erzieher.

Midyatli kritisierte die aktuelle Kita-Reform der Landesregierung als nicht weitreichend genug. „Für viele Eltern wird es keine finanzielle Entlastung geben, weil das Kita-Geld entfällt“, sagte sie. Auch zur versprochenen Qualitätsoffensive der Jamaika-Landesregierung gebe es viele offene Fragen. Und nicht zuletzt fehle eine Ausbildungsoffensive. „Wenn es fünf Jahre null Vergütung gibt, hinkt das System“, sagte Midyatli. „Wir müssen uns als Gesellschaft da auf den Weg machen.“ Diese Haltung vertritt auch der Bundestagsabgeordnete Sönke Rix. Die SPD fordere, dass künftig keine Ausbildung mehr unbezahlt bleiben dürfe. „Die Gesellschaft muss sagen, was ihr soziale Arbeit wert ist. Dieser Punkt wird in Schleswig-Holstein noch nicht deutlich genug erkannt.“ Nötig sei auch ein Masterplan des Sozialministeriums in Kooperation mit dem Bildungs- und Wirtschaftsministerium.

Die Genossen warben für eine Ausbildungsoffensive PIA von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Der Bund leistet für einen Teil angehender Erzieher künftig Zuschüsse in Höhe von 100 Prozent im ersten Ausbildungsjahr, von 70 Prozent im zweiten und 30 Prozent im dritten. Nach Angaben der Bundesregierung fehlen deutschlandweit bis zum Jahr 2025 bis zu 191 000 Erzieher. Das ist ein erster Schritt“, sagte Midyatli. „Leider können davon nicht alle profitieren.“

Das RBZ am Königsweg hatte die Anzahl der Klassen in den vergangenen Jahren bereits von drei auf sechs Züge aufgestockt. „Wir merken, dass es weniger die differenzierte Ausbildung ist als vielmehr die mangelnde Attraktivität des Berufs, die viele Absolventen daran hindert, tatsächlich als Erzieher zu arbeiten“, sagte Vize-Schulleiter Oguz Basoglu. Ein Großteil der Absolventen steige spätestens nach vier Jahren aus der Kita aus.

Von Christian Hiersemenzel

aus: Kieler Nachrichten 04.09.2019

Zurück